SG66 – Interview mit Prof. Dr. Gerhard Waldherr

SCHLOSSGEIST
Herr Waldherr, Sie sind seit 2014 Fraktionsführer der SPD im Gemeinderat Wenzenbach, wie läuft die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen?
WALDHERR
Insgesamt gesehen läuft die Zusammenarbeit recht ordentlich und sachorientiert. Hin und wieder wird's aber schon heftig und recht hitzig. Macht nichts, klare Worte sind häufig durchaus angesagt und ein Gewitter reinigt eher die Stimmung. Solange man nicht persönlich und verletzend wird.
Manchmal muss man einige Mitglieder auch etwas bremsen. Nicht alle Fragen sind sachlich angebracht. Immer wieder mal hat man den Eindruck, es wird nur gefragt, damit der Frager dem Publikum zeigen kann, dass er auch was zu sagen hat. Größere Aufmerksamkeit beim Zuhören würde viele Fragen überflüssig machen.
Gab es auch richtig harte Kontroversen?
Ja, hin und wieder. Zum Beispiel bei der Diskussion um den geplanten sozialen Wohnungsbau in Irlbach. Jeder weiß, wie schwer es ist, heute bezahlbare Mietwohnungen zu bekommen. Gerade für junge Familien mit Kindern, bei denen das Einkommen nicht so hoch ist. Es ist für Wenzenbach durchaus notwendig und steht der Gemeinde gut an, sich um solche Familien zu kümmern. Auch die Flüchtlinge, deren Bleiberecht anerkannt wurde, brauchen bezahlbare Wohnungen. Dafür zu sorgen, ist unsere humane und soziale Pflicht. Und genau darum geht es bei der Planung für Irlbach, um unsere gemeinsame soziale Verpflichtung.
Und da ärgert es einen schon, wenn bestimmte Parteienvertreter versuchen, Ängste der Bürgerinnen und Bürger schüren. Es wird vom sozialen Brennpunkt gesprochen, der angeblich entstehen würde, und davon, dass die Bürgerinnen und Bürger über das Bauvorhaben nicht genügend informiert würden. In Wirklichkeit wurde der Gemeinderat von Anfang an vom Bürgermeister und der Verwaltung umfassend informiert. Wir haben Informationen über das Bayerische Wohnungsbauprogramm "Wohnungspakt Bayern" bekommen. Und auch die Bürger sind über die Überlegungen und Vorplanungen auf dem Laufenden gehalten worden. Man muss die Infos nur zur Kenntnis nehmen. Das taten die Bürgerinnen und Bürger von Irlbach sehr wohlwollend und zeigten in einer Bürgerversammlung zu diesem Thema Herz und Verstand.
Was ärgert Sie noch?
Wenn sich einzelne Mitglieder des Rats eindeutig zu Vertretern von Interessen Einzelner machen lassen. Das ärgert mich gewaltig.
Wir Mitglieder des Gemeinderats sollen Wenzenbach vorwärts bringen, wir vertreten die Interessen aller Wenzenbacherinnen und Wenzenbacher. Das Gemeinwohl muss für uns die Richtschnur sein.
Es kann nicht sein, dass man aus persönlicher Betroffenheit bzw. persönlichem Interesse für oder gegen ein Bauvorhaben stimmt bzw. Stimmung macht, Gewerbegebiete haben will oder ablehnt. Wir drücken eben keine Augen zu, wenn es um die Beachtung von Bauvorschiften geht, weil wir uns für unsere Partei! Gruppe Vorteile erhoffen. Bei den vielfältigen persönlichen oder sogar verwandtschaftlichen Beziehungen in einem Ort wie Wenzenbach ist das oft nicht so einfach. Die persönliche Objektivität muss ein hohes Gut bleiben.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister?
Grundsätzlich freuen wir uns sehr, dass die SPD den 1. Bürgermeister stellt. Seine Projekte sind vernünftig und vor allem förderlich für die Gemeinde , so stärken wir ihm in aller Regel auch den Rücken und versuchen, die Projekte zu realisieren. Aber auch hier gilt: ein kritischer Blick schadet nicht. Wenn die Fraktion nicht gleich überzeugt und einverstanden ist, wird leidenschaftlich diskutiert, bis ein Kompromiss gefunden ist.
Wenzenbach ist inzwischen gut aufgestellt, die Verwaltung arbeitet effektiv und zielorientiert, die Finanzen stimmen. Gleichzeitig gibt es viel zu tun, vieles ist in den letzten Jahren liegen geblieben, nicht der Entwicklung angepasst worden. Ich denke vor allem an die Verkehrsinfrastruktur. Hier muss was vorwärts gehen, damit auch in Zukunft jeder gerne in Wenzenbach lebt, der Einheimische wie der Neubürger.
Warum dauert manches so lange?
Da gibt es unterschiedliche Gründe. Manches braucht einfach Zeit, weil es sehr umfangreich ist, weil bei den Planungen einiges zu beachten ist. "Gut Ding will Weile haben", das hat schon seine Richtigkeit. Schnellschüsse verursachen oft genug Ärger. Die Planungen sollen für die nächsten Jahrzehnte tragen.
Andere Verzögerungen liegen nicht in unserer Hand, weil die entscheidenden Institutionen nicht lokal sind. Beispielsweise stuft die Landkreisverwaltung manches Vorhaben unserer Gemeinde als niedrig ein. Hier könnte man gerade im Hinblick auf die hohen Zahlungen von Wenzenbach in Höhe von 3,2 Mio € an den Landkreis manchmal mehr Dynamik erwarten Wieder anderes, z.B. ein Bauvorhaben, verzögert sich, weil die alles entscheidenden Grundstücke nicht erworben werden können. Wenn sich der Ort weiter entwickeln soll, braucht man Grund für Wohngebiete, für Straßen usw. Wenn jedoch die Grundstückseigentümer nur ihre Gewinnmaximierung vor Augen haben, wenn sie nicht bereit sind, zu angemessenen Preisen Grund abzugeben, sondern die Forderungen in fantastische Höhen treiben und mancher meint, immer wieder draufsatteln zu müssen, wird die Entwicklung stagnieren. Wie schon gesagt: darunter leiden alle!
Die SPD-Fraktion muss seit kurzem auf Manfred Jobst verzichten. Wie sehen Sie das?
Mit dem .Mane" haben wir natürlich ein sehr markantes Mitglied unserer Fraktion verloren. Ein Mitglied, das über großen Sachverstand in vielen Bereichen, vor allem beim Bau, verfügt, das langjährige Erfahrung in die Gemeindearbeit einbrachte und das jeden Wenzenbacher und jede Ecke in der Gemeinde persönlich kennt. Sie können sich vorstellen, dass so jemand nicht einfach zu ersetzen ist. Außerdem war Manfred Jobst ein Gemeinderatsmitglied, das sich mit seiner ganzen Person einsetzte, das Herz und Verstand ohne Rücksicht auf Verluste einbrachte. Polternd und ungeschminkt direkt, heftig und deftig, aber immer ehrlich und offen für jeden, so war er, der .Mane"
Aber ich bin mir ganz sicher, dass wir mit Max Schmid, ein mindestens ebenso engagiertes und erfahrenes Mitglied gewinnen. Auch er ist ein Wenzenbacher Urgestein, auch er ist aufgrund seiner innerörtlichen Aktivitäten ein Ansprechpartner für viele. Man kennt ihn als ruhig und besonnen, dafür konsequent und entschlossen. Ich freue mich über die Zusammenarbeit mit ihm und bin davon überzeugt, dass er ein Gewinn für die Politik in Wenzenbach ist.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft im Gemeinderat?
Dass die Entscheidungen objektiv getroffen werden, dass zielführend und gerecht auch gegenüber unseren Nachkommen gearbeitet wird, dass alle an einem Strang ziehen und dass das Geschick des Ortes im Gemeinderat in offener Diskussion und nicht im Wirtshaus oder in irgendwelchen Hinterzimmern gestaltet und geformt wird. Nur gemeinsam erreichen wir etwas für den Ort. Und - dass der Wahlkampf erst ganz ganz spät, am besten überhaupt nicht, die Sinne im Gemeindegremium vernebelt.
Danke für das Gespräch.

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